Gewinnermittlungsarten

Das Steuerrecht unterscheidet zwischen vier verschiedenen Gewinnermittlungsarten. Diese bilden den Ausgangspunkt für die Gestaltung des Rechnungswesens.

Gewinnermittlungsart nach § 5 EStG
Der Gewinn ergibt sich aufgrund eines Betriebsvermögensvergleiches. Das Betriebsvermögen am Ende eines Jahres wird mit dem Betriebsvermögen am Beginn des Jahres verglichen.
Diese Gewinnermittlungsart ist für rechnungslegungspflichtige Unternehmen nach § 189 UGB mit EK aus Gewerbebetrieben (Gewerbetreibende) verpflichtend.
Rechnungspflichtige Unternehmen nach § 189 UGB sind Kapitalgesellschaften (AG und GmbH) und Unternehmen, die mehr als ? 700.000,00 Umsatzerlöse im Jahr erzielen.
Gewerbetreibende sind jene Unternehmer, die Einkünfte aus einer selbständigen, nachhaltigen Betätigung erzielen, eine Gewinnabsicht haben und sich am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr beteiligen.
Diese ? 700.000,00-Umsatzgrenze gilt nicht für Freiberufler, Land- und Forstwirte sowie Personen/Personengesellschaften, die ausschließlich EK aus nichtselbständiger Tätigkeit, EK aus Kapitalvermögen, EK aus Vermietung und Verpachtung sowie sonstige EK erzielen.
Grund und Boden sowie das gewillkürte Betriebsvermögen (= Betriebsvermögen, das nicht direkt dem Betriebszweck dient ? z.B. vermietete Gebäude) sind bei der Ermittlung des Gewinnes zu berücksichtigen.
Nur jene Unternehmer, die diese Gewinnermittlungsart anwenden, können ein vom Kalenderjahr abweichendes Wirtschaftsjahr wählen.

Gewinnermittlungsart nach § 4 (1) EStG
Der Gewinn ergibt sich ebenfalls aufgrund eines Betriebsvermögensvergleiches. Das Betriebsvermögen am Ende eines Jahres wird mit dem Betriebsvermögen am Beginn des Jahres verglichen.
Diese Gewinnermittlungsart ist für land- und forstwirtschaftliche Betriebe sowie für wirtschaftliche Geschäftsbetriebe vorgeschrieben, die die Voraussetzungen für die Gewinnermittlungsart nach § 5 EStG nicht erfüllen, aber in zwei aufeinander folgenden Geschäftsjahren mehr als ? 400.000,00 Umsatz machen oder deren Wert zum 1. Jänner eines Jahres ? 150.000,00 überstiegen hat.
Wertänderungen bei Grund und Boden sind außer Ansatz zu lassen.

Gewinnermittlungsart nach § 4 (3) EStG
Der Gewinn ergibt sich aus der Differenz zwischen den tatsächlich zugeflossenen Betriebseinnahmen und den tatsächlich abgeflossenen Mitteln für Betriebsausgaben. Privatentnahmen und Privateinlagen werden nicht berücksichtigt.
Diese Gewinnermittlungsart ist möglich, wenn die bei der Gewinnermittlungsart nach § 4 (1) EStG angeführten Grenzen nicht überschritten werden und auch freiwillig keine Bücher geführt werden.
Aufzeichnungsverpflichtungen bei Einnahmen-Ausgaben-Rechnern bestehen in der Führung von Wareneingangsbüchern und der laufenden Aufzeichnung der Einnahmen und Ausgaben. Ein Anlagenverzeichnis und Lohnkonten sind gegebenenfalls zu führen. In bestimmten Fällen ist ein Kassabuch zu führen, ansonsten genügt die Erfassung der Einnahmen und Ausgaben.

Gewinnermittlungsart nach § 17 EStG
Grundsätzlich erfolgt bei dieser Gewinnermittlungsart eine Pauschalierung der Betriebsausgaben.
Folgende Betriebsausgaben dürfen in voller Höhe angesetzt werden:

  • Wareneinkäufe
  • Rohstoffe
  • Halberzeugnisse, Hilfsstoffe und Zutaten
  • Löhne und Lohnnebenkosten
  • Fremdlöhne
  • Beiträge zur Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft (GSVG)

Für den Rest der Betriebsausgaben wird eine Pauschale herangezogen. Diese beträgt bei freiberuflichen oder gewerblichen Aktivitäten wie kaufmännische oder technische Beratung, Tätigkeiten von Aufsichtsräten, Hausverwaltern, Vermögensverwaltern, schriftstellerischen, vortragenden, wissenschaftlichen, unterrichtenden oder erzieherischen Tätigkeit 6%, aber höchstens ? 13.200,00. In allen anderen Fällen 12%, jedoch max. ? 26.400,00.
Der Gewinn ergibt sich somit aus den Einkünften abzüglich der oben genannten Betriebsausgaben und abzüglich der Betriebsausgabenpauschale.
Die Pauschalierung kann nur für EK aus Gewerbetrieb und EK aus selbständiger Arbeit durchgeführt werden (bei einem Umsatz von max. ? 220.000,00 vor der Pauschalierung).
Siehe auch:
Gewinn